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The Offer — Deutsches Aufnahmeskript

German recording script (Early New High German)

dialogue translated from the-offer.fountain; Luther's refusal speeches taken from the Tischreden — citations inline

10 September 2026

STATUS — ENTWURF, UNVERIFIZIERT. No line may be recorded and no generation sheet may quote a line until the Phase 1a verification pass. EXCEPTION (1 Aug 2026): the morning's lines are checked and shots-morning.md quotes them; the bar holds for every other scene. Not locked — reconcile against the-offer.fountain (10 September 2026) at lock. Each line carries its English original as (EN: ...) — that is the story's source of truth and is never spoken. Address forms: pronunciation-guide.md §3.14. Luther's refusal speeches, their sources and their macaronic Latin: table-talk-4690.md, and flagged at each line. All other dialogue is translated invention and inherits the English draft's dramatic-license flags.

FADE IN:

INT. WITTENBERG PRINT SHOP - DAY

Hintergrund-Walla der Werkstatt. Nur die zwei Zurufe sind skriptiert; alles übrige Gemurmel (Puller und Beater, kleine Klagen des Tages) wird als unverständliches ENHG-Walla frei gesprochen und nicht untertitelt.

DRUCKERSTIMME (O.S.)

Papier!

(EN: Paper!)

ZWEITE DRUCKERSTIMME (O.S.)

Kommt schon!

(EN: Coming up)

Der Läufer platzt herein; der Brief fällt auf den Tisch.

YOUNG PRINTER

Frankfurt ist dahin. Basel auch. Leipzig hat's beidemal wohlfeiler geben.

(EN: Frankfurt is gone. Basel too. Leipzig undercut us on both.)

OLD PRINTER

(quietly)

Zween Aufträge an einem Tage. Hernach ist es der ganze Handel.

(EN: Two orders in one day. Next it will be the whole trade.)

INT. WITTENBERG PRINT SHOP - EVENING

Der Rat der Meister, eine Kerze, der zerknüllte Brief.

LUFFT

So bitten wir ihn abermals.

(EN: Then we ask him again.)

YOUNG PRINTER

Abermals? Ihr wisset, dreimal hat er's uns abgeschlagen.

(EN: Again? You know he has refused us three times.)

OLD PRINTER

Und er wird's zum vierten abschlagen. Er hat nie einen Gulden genommen für Gottes Werk. Nicht einmal in zwanzig Jahren. Er gibt seine Bücher umsonst hin.

(EN: And he'll refuse a fourth. He has never taken a gulden for God's work. Not once in twenty years. He gives his books away.)

YOUNG PRINTER

(counting off on his fingers)

Zum ersten hat er unser gelacht. Zum andern hat er uns gepredigt. Zum dritten hat er nicht einmal die Feder von der Hand gelegt.

(EN: The first time he laughed at us. The second time he preached at us. The third time he would not so much as lay down his pen.)

YOUNG PRINTER

Ein Mann, der seine Schriften hingibt, wem es ihn gelüstet. Als wären sie nichts. Als wären sie nicht dieser Stadt ganzer Handel.

(EN: A man who hands his manuscripts to whomever he pleases. As though they were nothing. As though they were not the whole trade of this town.)

YOUNG PRINTER

(rising heat)

Und Leipzig dankt's ihm. Wir kaufen das Papier, wir schneiden die Schrift, wir lohnen die Gesellen — indes gibt er's umsonst hin, und Leipzig wird feist daran und verkauft, was von Rechts wegen Wittenbergs wäre.

(EN: And Leipzig thanks him for it. We buy the paper, we cut the type, we pay the men -- while he gives it away, and Leipzig grows fat selling what should rightfully belong to Wittenberg.)

LUFFT

(evenly)

Sehet zu, was Ihr von ihm redet.

(EN: Mind what you say of him.)

YOUNG PRINTER

Die Gesellen sind heim — warum sollt ich? Er achtet nicht, was wir von ihm reden, ins Angesicht oder hinterrücks!

(EN: The men are gone home -- why should I, when he minds nothing we say, to his face or behind it!)

OLD PRINTER

(to Lufft, almost gently)

Er ist vor dem Kaiser selbst gestanden und hat nicht ein Wort widerrufen. Alle Fürsten deutscher Lande in einem Saal haben ihn nicht beugen können. Und Ihr wollt ihn mit einem Beutel beugen?

(EN: He stood before the Emperor himself and would not recant one word. All the princes of Germany in one hall could not bend him. And you would bend him with a purse?)

LUFFT

Und so wir's nicht versuchen? Frankfurt ist dahin. Basel ist dahin. Auf den Herbst setzt Leipzig unsre eigene Bibel und verkauft sie uns unter den Fenstern. Unsre Pressen stehen kalt zum Winter — sagt mir, welchen von den Gesellen ich zuerst heimschicken soll.

(EN: And if we do not try? Frankfurt is gone. Basel is gone. Come the autumn, Leipzig will set our own Bible and sell it under our windows. Our presses will stand cold by winter -- tell me which of the men I am to send home first.)

YOUNG PRINTER

Er wird's abschlagen. Er wird sagen, was er allzeit sagt — daß er Gottes Wort nicht verkaufen will.

(EN: He will refuse. He will say what he always says -- that he will not sell God's Word.)

LUFFT

So machen wir ihm das Abschlagen schwer.

(EN: Then we will make the refusing hard.)

Er schreibt; hält das Blatt der Runde hin — wir sehen nur die Rückseite.

YOUNG PRINTER

Ist denn so viel in ganz Wittenberg?

(EN: Is there so much in all Wittenberg?)

LUFFT

Wir haben's. Ich bin die Register zweimal durchgegangen.

(EN: We have it. I have been through the ledgers twice.)

YOUNG PRINTER

Es ist mehr, als ihm der Kurfürst gibt — und Ihr wollt's ihm jährlich zahlen. Wer in Deutschland hat je solche Summa gezahlt?

(EN: It is more than the Elector pays him -- and you would pay it every year. Who in Germany has ever paid such a sum?)

LUFFT

Können wir Leipzig tragen?

(EN: Can we bear Leipzig?)

LUFFT

Eine jede Werkstatt trägt ihr Teil, oder es kann nicht geschehen.

(EN: Every shop bears its share, or it cannot be done.)

LUFFT

Glas in euren Fenstern. Seiden und Samt in euren Kisten. Ein Ziegeldach auf eurem Haus. Seine Feder hat das alles bezahlt.

(to the Old Printer)

Und euer Weib ist am Sonntag unter den bestgekleideten in der Kirchen.

(to the room again)

Nimmt aber Leipzig uns die Arbeit fort, so verlieret ihr das alles.

(EN: Glass in your windows. Silk and velvet in your chests. A tile roof on your house. His pen paid for every bit of it. And your wife is among the finest dressed in the church every Sunday. And if Leipzig takes the work from us, you lose all of it.)

LUFFT

So ist's beschlossen.

(EN: It is decided.)

Eine lange Weile. Dann rücken Stühle. Ein Hut kommt vom Haken.

Lufft nimmt den gefalteten Vertrag vom Tisch. Der junge Drucker greift hinüber und löscht die Kerze.

OLD PRINTER

Er wird abschlagen, und wieder abschlagen. Was wollt Ihr dann tun?

(EN: He will refuse, and refuse again. What will you do then?)

LUFFT

Sein Weib führet ihm die Rechnung. Sie wird begreifen, was er nicht begreifen will.

(EN: His wife keeps his accounts. She will understand what he will not.)

CUT TO:

INT. LUTHER'S STUDY - THE BLACK CLOISTER - DAY

Die Drucker treten ein; Lufft trägt den gefalteten Vertrag.

LUTHER

Dreimal seid ihr mir damit kommen.

(EN: Three times you have come to me with this.)

LUFFT

Niemals so, Herr Doctor. Die Summa auf diesem Papier ist mehr, denn wir je einem Manne zu bieten gewagt haben. Diese Stadt lebet von Euren Büchern — und Leipzig lauert. Die erste Hand auf dem, was Ihr schreibt. Mehr bitten wir nicht.

(EN: Never like this, Doctor. The sum on this paper is more than we have ever dared offer any man. This town lives by your books -- and Leipzig is circling. First access. That is all we ask.)

LUTHER

Erkläret mir's noch einmal. So ich dies unterschreibe — mögen andre Männer dennoch meine Bücher drucken?

(EN: Explain it to me once more. If I sign this -- other men may still print my books?)

LUFFT

Freilich. Ist ein Buch erst auf dem Markt, so mag es eine jede Presse in deutschen Landen setzen und abdrucken. Kein Recht wehret es ihnen.

(EN: Of course. Once a book is sold in the market, any press in Germany may set it and copy it. No law forbids them.)

LUTHER

Aber ein jedes neue Werk käme zuerst zu euch.

(EN: But each new work would come to you first.)

LUFFT

Zu uns zuerst. Leipzig mag abdrucken, was ganz Deutschland schon gekauft hat.

(EN: To us first. Leipzig may copy what all of Germany has already bought.)

Lufft schiebt den gefalteten Vertrag über den Tisch. Luther schiebt ihn ungeöffnet zurück.

LUTHER

(Quelle: WA TR 4, Nr. 4690 — »omnia gratis sine mercede dedisset ... wolde sein gnade nicht vorkeuffen«; Latein verdeutscht. Die Quelle sagt »sein gnade«, also Luthers eigene Gnadengabe — daher hier »meine Gnade«, wo das englische Skript »His gift of grace« deutet.)

Alles, was ich habe, hat mir Gott umsonst gegeben, ohn allen Lohn. Ich will meine Gnade nicht verkaufen.

(EN: Everything I have, God gave freely -- without payment. I will not sell His gift of grace.)

YOUNG PRINTER

Niemand heischt von Euch, Gnade zu verkaufen, Herr Doctor. Es ist ein Vertrag — ehrlicher Handel, nichts mehr.

(EN: No one asks you to sell grace, Doctor. It is a contract -- honest business, nothing more.)

Schweigen tut die Antwort. Lufft hält den Vertrag hin — fast eine Bitte.

LUFFT

Sehet zum wenigsten an, was Ihr ausschlaget.

(EN: At least look at what you are refusing.)

Luther nimmt ihn, wägt ihn ungeöffnet, tritt ans Lesepult, die Hand auf der Bibel.

LUTHER

(Quelle: WA TR 4, Nr. 4690 — »Gott hette ihn wunderlich wider den greulichen wurm, den bapst, gefüret ... nicht gantze haut davon bracht. Er wehre auch zimlich getroffen.« Das Wort »gekratzet« ist in unsrer Abschrift unsicher [OCR]; gegen das Seitenbild WA TR 4, S. 431f. prüfen.)

Wisset ihr, wie Gott mit mir gehandelt hat? Er hat mich wunderlich geführet wider den greulichen Wurm, den Papst. Sie haben mich wohl gekratzet — doch hat der Papst auch nicht ganze Haut davongebracht. Er ist auch ziemlich getroffen.

(EN: Do you know how God has dealt with me? He led me wondrously against that loathsome worm, the pope. They have scratched me well enough -- but the pope has not carried off a whole skin either. He took blows enough himself.)

Er blickt auf die aufgeschlagene Bibel.

LUTHER

(Quelle: WA TR 4, Nr. 4690 — »quomodo Deus eum paterne cum suis educasset«; »Ich habe gantz gnug und satt, Gott sey lob, qui mihi dedit uxorem et liberos, pulcherrimam benedictionem«; »Alias hoc decrevi ducta uxore me lecturum pro pretio, aber da mir Gott zuvor kam per electorem«. Latein verdeutscht.)

Und durch das alles hat Gott mich väterlich erzogen, mich und mein ganzes Haus. Gott sei Lob: er hat mir ein Weib gegeben und Kinder, einen überaus schönen Segen. Ich habe ganz genug und satt. Da ich ein Weib nahm, hatte ich mir fürgesetzt, um Lohn zu lesen. Aber Gott kam mir zuvor — durch den Kurfürsten.

(EN: And through it all, God raised me in a fatherly way -- me and my whole household. God be praised: He gave me a wife and children, a most beautiful blessing. I have quite enough, and I am satisfied. When I married, I had resolved to lecture for a fee. God forestalled me -- by way of the Elector.)

OLD PRINTER

Zuvorkommen, Herr Doctor? Wie das?

(EN: Forestalled you, Doctor? How?)

LUTHER

(turning back to them)

(Vgl. WA TR 4, Nr. 4690: »electorem, qui sponte mihi obtulit 200 fl. annuatim«; die Verdoppelung und der Name des Fürsten sind dramatische Setzung des englischen Skripts.)

Eine Besoldung. Unbegehrt. Im Jahr, da ich freiete, hat Fürst Johann Friedrich sie verdoppelt. Meinem Tisch hat seither nichts gemangelt.

(EN: A salary. Unasked. The year I married, Prince John Frederick doubled it. My table has not lacked since.)

LUFFT

Und kein Mensch mißgönnet sie Euch, Herr Doctor. Aber ein zweiter Beutel hat noch keinem Hause geschadet. Ich meine, wenn Ihr nur ansehen wolltet, was —

(EN: And no man begrudges it, Doctor. But a second purse never yet harmed a household. I think, if you will only look at what --)

LUTHER

(over him)

(Quelle: WA TR 4, Nr. 4690 — »so habe ich mein lebenlang kein exemplar vorkaufft noch lection pro pretio gehalten, wil auch den ruhm, wils Gott, mit mir ins grab nehmen. Habens victum et amictum contentus ero.« Schlußsatz nach Luthers 1545er Wortlaut von 1. Tim. 6,8.)

Ich habe mein Leben lang kein Exemplar verkauft noch Lektion um Lohn gehalten — und den Ruhm will ich, will's Gott, mit mir ins Grab nehmen. Hab ich Nahrung und Kleider, so laß ich mich benügen.

(EN: In all my life I have never sold a single copy, nor held a lecture for a fee -- and that boast I mean to carry into the grave, God willing. Having food and clothing, I shall be content.)

Er legt das gefaltete Papier ungeöffnet auf den Tisch. Lufft sammelt ein — hält inne. Eine letzte Karte.

LUFFT

So redet mit Katharina. Euer Ruhm wird aus ihrer Küchen gespeiset. Ihr lasset Euch benügen, Herr Doctor — fraget sie, was Euer Benügen kostet.

(EN: Then speak with Katharina. That boast of yours is fed from her kitchen. You are content, Doctor -- ask her what your contentment costs.)

LUTHER

Gott befohlen, ihr Meister.

(EN: Good day to you, masters.)

Niemand rührt sich.

LUTHER

Hinaus.

(EN: Out.)

Sie gehen. Allein ruft Luther in den Gang.

LUTHER

(calling)

Wolf! Bitt mein Weib, daß sie zu mir in den Hof komme.

(EN: Wolf! Ask my wife to come out to the courtyard.)

CUT TO:

EXT. THE BLACK CLOISTER - COURTYARD - LATE AFTERNOON

Luther, allein, entfaltet und liest — wir bleiben auf seinem Gesicht. Er faltet wieder. Katharina tritt heraus.

LUTHER

(calm -- a thing already settled)

Die Drucker sind abermals kommen.

(EN: The printers came again.)

KATHARINA

Und du hast ihnen gesagt --

(EN: And you told them --)

LUTHER

(Vgl. WA TR 4, Nr. 4690: »electorem, qui sponte mihi obtulit 200 fl. annuatim«.)

Was ich ihnen allzeit sage. Der Kurfürst — Fürst Johann Friedrich — gibt mir schon zweihundert Gulden aufs Jahr, mehr, denn ich je von einem Menschen begehrt habe. Was soll mir ihre Summa?

(EN: What I have always told them. The Elector -- Prince John Frederick -- already gives me two hundred gulden a year, more than I ever asked of any man. What use have I for their sum?)

KATHARINA

(mild, drying her hands)

Zweihundert ist milde — von einem Fürsten an einen Professor. Und milder noch ist es von dir, halb Wittenberg davon zu speisen.

(EN: Two hundred is generous -- from a prince to a professor. And it is more generous still of you, to keep half Wittenberg fed on it.)

Er winkt ab — ein alter, längst verlorener Streit.

KATHARINA

Es ist keine Barmherzigkeit, wenn ich's sage. Sechzehn heut abend zu Tisch, und der Kostgänger Betten sind zu lüften. Der Mälzer wartet seit Ostern auf sein Geld. Die Gartenmauer ist nieder — die Säue haben's diese Woche zweimal gefunden — und das Dach über den Nordzellen stehet keinen Winter mehr, es gehe denn Silber hinein.

(EN: It is no charity to say so. Sixteen at table tonight, and boarders' beds to air. The maltster has waited since Easter for his money. The orchard wall is down -- the pigs have found it twice this week -- and the roof over the north cells will not stand another winter unless silver goes into it.)

LUTHER

Gott hat dies Haus durch magrere Jahre erhalten.

(EN: God has kept this house through leaner years.)

KATHARINA

Das hat er.

(then)

Wieviel haben sie geboten?

(EN: He has. -- How much did they offer?)

LUTHER

Es ist nichts daran gelegen.

(EN: It makes no difference.)

Er schnippt das Papier zum Feuer; es fällt auf die Steine daneben.

LUTHER

Sie sagten, ich sollte mit dir reden. Nun — wir haben geredet.

(EN: They said I should speak with you. So -- we have spoken.)

Er geht hinein. Katharina allein; das Papier liegt bei den Flammen.

KATHARINA

(to herself)

Fünfundzwanzig Gulden aufs Jahr.

(EN: Twenty-five gulden a year.)

KATHARINA

Fünfzig.

(EN: Fifty.)

KATHARINA

Hundert aufs Jahr — so sie toll geworden sind.

(EN: A hundred a year -- if they have gone mad.)

Sie entfaltet, liest, staunt, lächelt — und läßt das Papier fallen. Es brennt; die Zahl verbrennt zuletzt. Keine weiteren gesprochenen Zeilen.

CUT TO BLACK.

FADE OUT.